Genderstereotype und Adjektive

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Genderstereotype und Adjektive
Stephanie Lieboldt. 2021.
https://www.sprache-und-gendern.de/beitraege/genderstereotype-und-adjektive (abgerufen am 17.10.2021)

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1. Einleitung

„[S]ie besaß Anmut und war hübsch, wenn sie einen guten Tag hatte; und ihr Verstand war etwa genauso unwissend und ungeschult, wie das bei einem siebzehnjährigen Mädchen üblich ist.“ (Austen 2011 [1797/99]: 11) Mit diesen Worten charakterisiert die britische Autorin Jane Austen die weibliche Hauptfigur Catherine Morland in ihrem Roman Die Abtei von Northanger. Wenngleich die Zeit, in der diese Geschichte verfasst wurde, bereits einige Jahrhunderte zurückliegt und auf die Jahre 1797/99 datiert werden kann, ist es doch auffällig, dass vor allem das passable Aussehen und der noch ungeformte Verstand als wesentliche Merkmale der Hauptfigur hervorgehoben werden. Doch wie ist es Jane Austen gelungen, ihre Heldinnen so detailliert zu beschreiben, dass sie sich wie Catherine Morland zu unvergesslichen Frauenfiguren der englischen Literatur entwickeln konnten? 

Betrachten wir erneut das eingangs verwendete Zitat, welches den ersten Seiten des Romans Die Abtei von Northanger entnommen wurde, um uns der weiblichen Hauptfigur der Geschichte anzunähern. Es sind vor allem die kleinen, meist unauffälligen Worte, welche den Leser*innen das Wesen und die damit verbundenen Eigenschaften der jungen Miss Morland näherbringen und dieser Leben einhauchen sollen: Diese umfassen das Dreigespann hübsch, unwissend und ungeschult. Bei all diesen kleinen Worten handelt es sich um Adjektive, lateinisch ad-iectivum, basierend auf dem griechischen Wort epí-theton ‚das Hinzugefügte‘ (Bußmann 2008: 6). Versuchten wir diese kleinen, aber feinen Ergänzungen wegzulassen, so würde dem Geist der Austenschen Romane ein wesentliches Element verloren gehen: ihre Liebe zum Detail sowie ihre genaue Beobachtungsgabe für die Psychologie der agierenden Figuren. 

Sprache ist folglich mehr als ein bloßes Kommunikationsmittel. „Sie ist zugleich Ausdruck unserer Werte, Normen und unseres Denkens. Sie hat die zentrale Rolle bei der Konstruktion, Zementierung und Modifikation gesellschaftlicher – und damit auch geschlechterbezogener – Wirklichkeiten.“ (Günthner/Hüpper/Spieß 2012: 10) Durch Sprache generieren wir soziale Realitäten (vgl. Günthner/Hüpper/Spieß 2012: 10), indem wir durch den gezielten Einsatz sprachlicher Mittel die Entscheidungsgewalt darüber haben, was wir zum Ausdruck bringen wollen und wie dieser Sprechakt vollzogen werden soll. Sprache im Sinne eines reellen Sprachgebrauchs (‚parole‘) ist somit auch immer ein Akt der Perspektivierung (Saussure 1967: 13). Wie Jane Austen ihre Heldinnen in ihren Romanen beschreibt – hübsch, unwissend und ungeschult wie Catherine Morland – all diese Eigenschaften prägen unser Denken über die Figur. Wir gehen als Leser*innen davon aus, dass die uns vorgestellte junge Frau im Verlauf der Geschichte entsprechend ihrer Eigenschaften handeln wird, indem sie ihren charakterlichen Neigungen erliegt oder sich zum Teil aus diesen befreit.

Mittels Sprache ist es jedoch nicht möglich, die Wirklichkeit in ihrer Vollständigkeit abzubilden. So entsprechen auch unsere Vorstellungen von der Weiblichkeit der Austenschen Heldinnen nur zu einem geringen Teil der Wahrheit im Sinne einer vollständigen und realitätsgetreuen Darstellung des Frauenbildes im 18. Jahrhundert. Vielmehr handelt es sich hierbei um Stereotype im Sinne einer konventionalisierten Meinung darüber, wie Catherine Morland als britische Frau des Bürgertums im 18. Jahrhundert ausgesehen oder sich verhalten haben mag (Putnam 1979: 68). Dieses Wissen um geschlechterbezogene Stereotype erwerben wir – damals wie heute – bereits in den ersten Lebensjahren (Elsen 2018: 46). Schon mit der Geburt setzt die geschlechtsspezifische Sozialisation eines Kindes ein. Gekennzeichnet ist dieser Prozess der Stereotypisierung durch die personenbezogene Attribution spezifischer Eigenschaften, die wir innerhalb unserer Sprachgemeinschaft als typisch weiblich oder auch männlich charakterisieren (Lautenschläger 2018: 32). Diese sozial bzw. kulturell geprägte Auffassung von Geschlecht wird unter dem Begriff ‚gender‘ subsumiert (Kotthoff/Nübling 2018: 14). Während Frauen in den Austenschen Romanen als eher gefühlsbetont gelten, sind die Männer zumeist stolz oder verstandesbezogen, insbesondere wenn wir an Mr. Darcy aus dem Roman Stolz und Vorurteil denken (Austen 2011 [1796/97]). 

2. Konstruktivismus

Die Vorstellung, dass Sprache nicht nur in der Lage ist, Wirklichkeit zu vermitteln, sondern auch maßgeblich zur Konstruktion von Wirklichkeit beiträgt, hat sich spätestens mit Beginn der Frühaufklärung und dem damit verbundenen ‚pragmatic turn‘ durchgesetzt (Gardt 1999a: 96, Gardt 2003: 286). Im Vordergrund dieses konstruktivistischen Ansatzes steht weniger die traditionelle epistemologische Frage nach dem Was der Erkenntnis, sondern vielmehr die Frage nach dem Wie des Erkenntnisvorgangs. Jeder Akt des Erkennens wird als eigenständige aktive Konstruktion eines beobachtenden Subjekts angesehen (MLP1 2005: 98). Innerhalb des Konstruktivismus stehen sich primär zwei Ausrichtungen gegenüber: der radikale Konstruktivismus und der gemäßigte Konstruktivismus. Während der radikale Konstruktivismus die Existenz einer objektiven, bewusstseinsunabhängigen Welt ablehnt, nimmt der gemäßigte Konstruktivismus das Vorhandensein einer zu erkennenden Wirklichkeit an. Die Realität existiere losgelöst vom Menschen, dessen Bewusstsein und Sprache. Der Sprache komme dabei eine besondere Funktion zu, indem sie zeige, „wie wir die Natur aufgliedern und die Wirklichkeit zerlegen, aber nicht, daß es eine Natur, eine Wirklichkeit gibt. Die Sprache ordnet die Realität, aber sie erzeugt sie nicht [...]“ (Mitterer 1992: 34) [Hervorhebung im Original]. Ausschlaggebend für die menschliche Wahrnehmung ist folglich der Akt der Perspektivierung, das Wie des Erkenntnisvorgangs. Mit jeder sprachlichen Formulierung entscheiden wir uns für eine bestimmte Perspektive, schließen im Gegenzug jedoch „eine andere potentielle Formulierungsvariante mit einer divergenten Perspektive“ aus (Felder 2009b: 32). Anhand der Existenz von Formulierungsvarianten wird deutlich, dass Sprache weder die Flexibilität noch die Fähigkeit besitzt, die Wirklichkeit tatsächlich abzubilden. Vielmehr drängt sie uns in vorgefertigte Muster (Berger/Luckmann 2007: 40), wodurch wir ausschließlich dazu in der Lage sind, die Welt in Ausschnitten, jedoch nicht in ihrer Gesamtheit wahrzunehmen (Felder 2009a: 50).

Derartige Muster begegnen uns beispielsweise bei der Frage nach der korrekten Personenbezeichnung. Möchten wir auf eine Gruppe von Personen hinweisen, die aus Personen unterschiedlichsten Geschlechts besteht, so stehen wir vor der Entscheidung, eine möglichst realitätsgetreue oder eher realitätsunscharfe Beschreibung zu wählen. Denn unsere Sprache bietet das Potential, nicht nur von den Lesern der Austenschen Romane zu sprechen, sondern recht realitätsnah abzubilden, dass sich unter der Leserschaft eine nicht allzu geringe Anzahl weiblicher Personen befindet. Für diesen Zweck steht uns eine hohe Varianz verschiedener Ausdrucksmöglichkeiten zur Verfügung, mit Hilfe derer wir in der Lage sind, ein wahrheitsgetreueres Bild der Austenschen Leserschaft zu skizzieren. So handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um Leserinnen und Leser oder Lesende, vielleicht aber auch um Leser*innen oder Leser_innen, wenn wir ebenfalls Menschen berücksichtigen möchten, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zugehörig fühlen. Die einzelnen Nomina sagen jedoch noch nichts über die spezifischen Eigenschaften dieser Leser*innen aus. Sind diese während des Lesens gefesselt, gelangweilt oder amüsiert? Handelt es sich hierbei eher um sensible und romantisch veranlagte Menschen oder dienen die Geschichten der bloßen Unterhaltung?

Überträgt man den Ansatz einer durch Sprache geformten Wirklichkeit auf die in unserer Gesellschaft existierenden Vorstellungen von Geschlecht, so ist infrage zu stellen, inwieweit unsere kognitiven Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit tatsächlich der Wirklichkeit entsprechen oder ob es sich hierbei ausschließlich um Konstrukte handelt, die höchstens einen Teil der Realität abbilden. Lesen tatsächlich nur Frauen die Romane Jane Austens? Ist es heutzutage noch immer üblich, Frauen wie in den Austenschen Romanen im Wesentlichen über ihr Aussehen und ihren Verstand zu charakterisieren? Denken wir noch immer, dass Männer eher verstandesbezogen und Frauen eher gefühlsbetont sind?

1 Die Abbreviatur MLP steht stellvertretend für ‚Metzler Lexikon Philosophie‘.

3. Stereotyp

Unsere Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit werden im Wesentlichen durch gesellschaftliche Normen geprägt (Stevens 2015). Auf diese Weise ist es ebenso möglich, anhand von Catherine Morland die Haltung des gebildeten, aufgeklärten Bürgertums des 18. Jahrhunderts zu rekonstruieren. Soziale Identität ist somit gleichzusetzen mit dem Wissen, Mitglied einer bestimmten Gruppe zu sein, und der damit einhergehenden Identifikation mit dieser Gruppe (Abrams/Hogg 1990; 2004; Hogg/Abrams 1988). Individuelle Bedürfnisse werden durch konventionalisierte Gruppennormen substituiert (Hogg/Tuner 1987). Bourdieu (1997; 1998) bezeichnet diese spezifische Form sozialen Auftretens als ‚Habitus‘. Zum Habitus eines Menschen zählen neben dem Kleidungsstil und bestimmten Verhaltensweisen auch die Art und Weise, wie gesprochen wird. Dies steht im Einklang mit einer funktionalistischen Sprachauffassung: „Sprache ist nach Bühler nicht reduzierbar auf die Repräsentationsfunktion von Welt, sondern sie ist vielmehr eine Form menschlichen Handelns“ (Schlobinski 2003: 129).

Das Wissen um jenen geschlechtsspezifischen Habitus beziehen wir aus Stereotypen. Singleton (1986: 4) verwendet in diesem Kontext den Begriff ‚gender-role stereotypes‘. Der Begriff ‚Stereotyp‘ ist ursprünglich der Druckersprache entlehnt und bezeichnete einzelne Druckzeilen, die kontrastiv zu beweglichen Lettern fest miteinander verbunden waren (Bußmann 2008: 683).2

1922 transferierte Lippmann diese Bedeutung des Schablonenhaften und Gleichförmigen in sozialwissenschaftliche Kontexte, indem meist unbewusste Auffassungen von Menschen gegenüber einzelnen Personen oder gesellschaftlichen Gruppen unter dem Terminus ‚Stereotyp‘ subsumiert wurden. Auch Putnam (1979) griff diesen Ausdruck im Rahmen seiner philosophischen Bedeutungstheorie auf. Ein Stereotyp beinhalte „saliente, meist konventionalisierte Informationen zu einer natürlichen Art (z.B. Tiger, Gold, Wasser), die den Mitgliedern einer Sprachgemeinschaft den erfolgreichen Gebrauch der zugehörigen Ausdrücke in Standardsituationen ermöglicht“ (Bußmann 2008: 683). Diese Interpretation des Stereotypbegriffs als Mittel zur Komplexitätsreduktion und Vereinfachung von Kommunikationssituationen wich in den 1960er Jahren einer vermehrt negativen Konnotation: Hansen (2009: 56-60) bewertet jeden Akt des Erkennens per Stereotyp als „ausschließlich defizitäre und irrtumsbehaftete Erkenntnisform.“ Stereotypisierung bedeute Simplifizierung, gleichzusetzen mit einem stark eingeschränkten Blick auf die Wirklichkeit. Diese negativ behaftete Interpretation des Begriffs spiegelt sich ebenfalls in den Lexemen wider, die synonym mit dem Nomen Stereotyp verwendet werden können. So finden sich im Duden die Angaben Klischee, Schablone und Vorurteil.3 Das Wissen und die Erfahrung eines einzelnen Individuums tritt bei diesem Prozess des Erkennens in den Hintergrund. Im Vordergrund steht der Einfluss der sprachgebundenen Interaktion, eingebettet in die Überzeugungen einer gesamten Sprachgemeinschaft (Konerding 2001: 157). Die Aneignung von Stereotypen erfolgt somit im Wesentlichen durch den allgemeinen Sprachgebrauch (Wrede 2008: 177). 

Dass die Mehrheit der Leser*innen dieses Artikels wahrscheinlich davon ausgeht, dass mehr Frauen als Männer die Romane Jane Austens lesen, ist somit kein Grund zur Beunruhigung, sondern vielmehr das Produkt eines kollektiven Wissensverbandes. Personen dieser Überzeugung folgen lediglich einer konventionalisierten Meinung darüber, welche Menschen typischerweise Romane von Jane Austen lesen. Dass unser Sprachgebrauch und die damit verbundenen Überzeugungen geprägt sind durch Prinzipien der Verallgemeinerung und Simplifizierung (Eckes 2008: 174), steht im Einklang mit dem menschlichen Grundbedürfnis, „Komplexität auf überschaubare Einheiten zu dezimieren. Die vielfältigen Eindrücke, die wir von unseren Mitmenschen gewinnen, ebenso auf die einfache Dichotomie ‚männlich/weiblich‘ reduzieren zu können, erleichtert den Umgang mit der Informationsflut der Umwelt“ (Wrede 2008: 177). 

Dennoch: Das Resultat eines jeden Mittels zur Komplexitätsreduktion ist ein gleichzeitiger Verlust von Wahrheit. Dies zeigt eine Studie von Swim (1994), in der Proband*innen befragt wurden, wie sie Geschlechtsunterschiede in Bezug auf bestimmte Eigenschaften wie mathematische Fähigkeiten einschätzen. Die Ergebnisse dieser Befragung wurden anschließend mit tatsächlich ermittelten Unterschieden verglichen. Es zeigte sich, dass nur in 38% der Fälle die stereotypen Vorstellungen mit der Realität übereinstimmten (Berger 2010: 10). Durch die Verwendung von Stereotypen ist es somit nachweislich nicht möglich, die Wirklichkeit in ihrer Gesamtheit abzubilden. Genderstereotype leisten nur einen kleinen Beitrag zum realitätsgetreuen Bild von Männlichkeit und Weiblichkeit, indem sie wie kleine Steinchen in einem riesigen Mosaik agieren.

Transportiert werden diese kleinen Mosaikelemente im Wesentlichen über jene Eigenschaftswörter, die bereits zu Beginn dieses Artikels als Adjektive identifiziert wurden. Adjektive leisten folglich einen eminenten Beitrag zur Evozierung von Genderstereotypen. Welche Eigenschaften männlichen und weiblichen Personen typischerweise attribuiert werden, hat der Psychologe Bakan (1966) mittels des Modells der Big Two zu erfassen versucht: 

I have adopted the terms “agency” and “communion” to characterize two fundamental modalities in the existence of living forms, agency for the existence of an organism as an individual, and communion for the participation of the individual in some larger organism of which the individual is a part. (Bakan 1966: 14-15) [Hervorhebung S.L.]

Bakans Ausführungen ist zu entnehmen, dass ‚Agency‘ auf eine Form individuellen Bestrebens sowie Selbstwirksamkeit rekurriert, wohingegen ‚Communion‘ den Willen nach Bildung und Aufrechterhaltung zwischenmenschlicher Beziehungen charakterisiert (Berger 2010: 48). Die Zuteilung gendertypisch konnotierter Eigenschaften zu diesen beiden Begriffen zeigt, dass Maskulinität am ehesten mit dem Konzept ‚Agency‘ (Aggression, Dominanz, Ambition) und Femininität mit dem Konzept ‚Communion‘ (Leidenschaft, Empathie, Fürsorge) in Beziehung gesetzt werden kann (vgl. Berger 2010: 48). Berger (2010)4 konstatiert, dass diese attribuierten Eigenschaften stark normativ aufgeladen sind. Während weibliche Persönlichkeitsmerkmale wie einfühlsam und liebevoll positiv bewertet werden, unterliegen Ängstlichkeit und Selbstzweifel negativen Konnotationen (ebd. 2010: 135). 

Ähnliche geschlechtsspezifische Assoziationen finden sich auch in den Austenschen Romanen wieder. So verurteilt die weibliche Hauptfigur in Die Abtei von Northanger, Catherine Morland, eigens ihre ängstlichen Neigungen und bewertet sie als charakterliche Defizite: „Ihre ganze Narrheit, die jetzt geradezu verbrecherisch wirkte, lag offen vor seinen Augen, und er mußte sie dafür verachten. […] Ihre Neugier und ihre Ängste, eins so unsinnig wie das andre, konnte man die je wieder vergessen?“ (Austen 2011 [1797/99]: 229) 

2 Diese Bedeutung spiegelt sich auch in der kompositionellen Zusammensetzung des Wortes aus den griechischen Begriffen stereós „starr“ und týpos „Gestalt“ wider (Bußmann 2008: 683).

3 Diese Angaben beziehen sich auf die Online-Version des Dudens https://www.duden.de/rechtschreibung/stereotyp (abgerufen am 31.10.2020, 13:03).

4 Bergers Studie zeigt, dass bei der Untersuchung gendertypisch konnotierter Adjektive zu berücksichtigen ist, ob die gewählten Adjektive auf Selbst- oder Fremdeinschätzung basieren. In Bezug auf den Aspekt der Normativität fokussiert Berger die Selbsteinschätzung von Frauen und Männern.

4. Fazit

Dieser kurze Exkurs in die Welt der Austenschen Romane, ihren Detailreichtum und die damit verbundene Anschaulichkeit der Erzählungen sowie die darin eingeschriebenen Auffassungen von Männlichkeit und Weiblichkeit sollte im Wesentlichen eines verdeutlichen: Es ist wichtig, fernab der bloßen Diskussion über die Verwendung der korrekten Personenbezeichnung ebenso im Blick zu behalten, wie über Personen jeglichen Geschlechts gesprochen wird. Dass zwischen der Beschreibung einer Heldin in einem Roman Jane Austens aus dem 18. Jahrhundert und gegenwärtigen Auffassungen von Weiblichkeit noch immer gewisse Parallelen zu finden sind, sollte uns vor allem in Bezug auf einen wichtigen Aspekt sensibilisieren: Die Frage nach der sprachlichen Markierung von Geschlecht ist eine wichtige und wahrscheinlich auch erstrangige. Darauf aufbauend sollte jedoch in einem zweiten Schritt die Überlegung folgen, welche Eigenschaften in Form von Adjektiven mit Personen eines bestimmten Geschlechts assoziiert und welche Genderstereotype in diesem Zuge aktiviert werden.

5. Literaturverzeichnis

5.1 Literatur

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5.2 Onlinequellen

Duden, Online-Ausgabe: www.duden.de/rechtschreibung/Stereotyp, abgerufen am 31.10.2020.


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